ctd.qmat-Team entziffert Moiré-Supraleitung

Überblick

Im Fachjournal Nature haben internationale Wissenschaftler:innen erstmals den Zusammenhang zwischen Elektronenzuständen in Quantenmaterialien und Moiré-Supraleitung nachgewiesen. Ein standortübergreifendes Team von ctd.qmat-Forschenden lieferte die Theorie.

 

Wie genau Moiré-Supraleitung entsteht, zählt zu den zentralen Fragen der modernen Festkörperphysik. Ein Forschungsteam des Würzburg-Dresdner Exzellenzclusters ctd.qmat – Complexity, Topology and Dynamics in Quantum Matter hat jetzt die entscheidende Theorie hierfür geliefert. Ihre Ergebnisse sind - gemeinsam mit dem experimentellen Nachweis – wesentlicher Bestandteil einer Studie, die jetzt in der Fachzeitschrift Nature erschienen ist. Langfristig können diese Erkenntnisse dazu beitragen, neue Quantenmaterialien und Supraleiter für künftige Quantentechnologien zu entwickeln.

 

An der Theorie-Entwicklung haben mitgewirkt: Giorgio Sangiovanni, Gründungsmitglied und Professor für Computational Quantum Materials des Exzellenzclusters ctd.qmat am Standort Würzburg; Roser Valentí, Professorin für Theoretische Festkörperphysik an der Goethe-Universität Frankfurt und Mitglied des Grete-Hermann-Netzwerks von ctd.qmat, Lorenzo Crippa, ehem. ctd.qmat-Postdoc und jetzt an der Universität Hamburg sowie Wissenschaftler:innen aus Princeton. Die Experimente wurden am California Institute of Technology (Caltech) durchgeführt.

 

Leichte Verdrehung ergibt neuartigen Quantenzustand

Das untersuchte Material besteht aus drei atomar dünnen Graphen-Schichten, die gegeneinander leicht verdreht gestapelt wurden. „Durch die Überlagerung der einzelnen Schichten, die jeweils nur etwa ein Grad voneinander abweichen, entsteht der bekannte Moiré-Effekt“, erklärt Giorgio Sangiovanni. Diese minimale Verdrehung verändert das Verhalten der Elektronen grundlegend: Ihre Beweglichkeit innerhalb einer Materialschicht nimmt ab, während ihre gegenseitigen Wechselwirkungen durch alle drei Schichten dominieren. Durch diese „elektronische Korrelation“ entstehen neuartige Quantenzustände wie zum Beispiel die Moiré-Supraleitung: Elektronen finden sich im Kollektiv zu sogenannten Cooper-Paaren zusammen und bewegen sich widerstandsfrei durch das Material-System.

 

Materialdesign ermöglicht Supraleitung

Das zentrale Ergebnis: Die Moiré-Supraleitung entsteht nicht in einem gewöhnlichen Metall, sondern in einem dreilagigen Material-System, dessen Kristallstruktur jeweils minimal zueinander verdreht ist. „Graphen ist von Haus aus ein Halbleiter. Erst, wenn zwei oder drei Graphen-Schichten gestapelt und leicht zueinander verdreht werden, verhält es sich wie ein korreliertes Metall und kann supraleitend werden. Das ist nur durch ausgeklügeltes Materialdesign möglich“, so Roser Valentí.

Galerie

Daten & Fakten

11.02.2026

 

ctd.qmat

Das Exzellenzcluster ctd.qmat – Complexity, Topology and Dynamics in Quantum Matter (Komplexität, Topologie und Dynamik in Quantenmaterialien) der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und der Technischen Universität Dresden erforscht und entwickelt neuartige Quantenmaterialien mit maßgeschneiderten Eigenschaften. Etwa 300 Wissenschaftler:innen aus mehr als 30 Ländern entwerfen an der Schnittstelle von Physik, Chemie und Materialwissenschaften die Grundlagen für die Technologien der Zukunft. 2026 ist das Cluster in die 2. Förderperiode der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder gestartet – mit erweitertem Fokus auf die Dynamik von Quantenprozessen.

 

Abbildungen

Moiré-Effekt © Fendik eps / Adobe Stock

 

Die Illustration zeigt die Entstehung von Supraleitung in einem Moiré-Metall, das aus drei Graphen-Schichten besteht. Elektronen finden sich zu Cooper-Paaren zusammen, die sich im Kollektiv widerstandsfrei durch das Material-System bewegen. © Lorenzo Crippa, University of Hamburg

 

Publikation

Nature Hyunjin Kim, Gautam Rai, Lorenzo Crippa, Dumitru Călugăru, Haoyu Hu, Youngjoon Choi, Lingyuan Kong, Eli Baum, Yiran Zhang, Ludwig Holleis, Kenji Watanabe, Takashi Taniguchi, Andrea F. Young, B. Andrei Bernevig, Roser Valentí, Giorgio Sangiovanni, Tim Wehling, Stevan Nadj-Perge Resolving Intervalley Gaps and Many-Body Resonances in a Moiré Superconductor DOI 10.1038/s41586-025-10067-1

 

Kontakt

Prof. Dr. Giorgio Sangiovanni

Lehrstuhl für Computational Quantum Materials

Institut für Theoretische Physik und Astrophysik

Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Tel: +49 931 3189100

Email: giorgio.sangiovanni@uni-wuerzburg.de 

 

Katja Lesser

Pressesprecherin & Leitung Kommunikation 

Exzellenzcluster ctd.qmat

Tel: +49 351 4633 3496

Email: katja.lesser@tu-dresden.de